Deutschland-Debüt mit dem SBU im Congress Centrum

Der japanische Komponist und Dirigent Yasuhide Ito gab im sein Debüt in Deutschland. Im CCU dirigierte er das Sinfonische Blasorchester Ulm.

Viele herausragende Kompositionen für sinfonische Blasorchester kommen aus Amerika und aus dem Fernen Osten. Das Sinfonische Blasorchester Ulm (SBU) hat ausgezeichnete Kontakte nach Tokio. SBU-Dirigent Douglas Bostock leitete sechs Jahre lang das Kosei Wind Orchestra in Tokio. Jetzt ist es ihm gelungen, seinen Freund und Kollegen Yasuhide Ito nach Ulm zu locken, der im Congress Centrum sein erstes Konzert in Deutschland überhaupt dirigierte.

Der lange erste Teil des Konzertabends war ganz dem Gast gewidmet, der mit drei Werken im Gepäck angereist war. Darunter das 2000 komponierte "Go For Broke" als deutsche Erstaufführung, ein bewegtes Werk der Postmoderne, das stark vom Kontrast dissonanter Passagen und geschmeidiger Soli der Oboe lebt. Hochinteressant die Uraufführung eines Stücks aus diesem Jahr: "That Which He Taught Us. . ." mit Sopranistin Helen Willis und Bariton Kwang-Keun Lee, deren Stimmen im Mit- und Gegeneinander opernähnliches Format erreichten. Auch hier wird, ganz im Sinne von Programmmusik, ein historischer Sachverhalt zu Grunde gelegt: der buddhistische Weg zur Weisheit.

Glockenklang und ein gregorianischer Choral eröffnen die Itos Sinfonische Dichtung "Gloriosa" (1990). Angelegt in drei Teilen, thematisiert sie das Werk Leben und Sterben früher japanischer Christen. Besonders einprägsam sind die Solo-Passagen der Ryuteki, der traditionellen japanischen Flöte.

Mit einem bombastischen Stück kehrten die Sinfoniker und Douglas Bostock aus der Pause zurück. "Symphonic Movement" von Václav Nelhýbel ließ vor allem die Schar der Schlagwerker kräftig wirbeln. Kontrastprogramm dann mit Bach und Percy Graingers "Blithe Bells" von 1931. Ein sehr ruhiges Stück mit ausgeprägtem Legatospiel. Philip Sparkes vierteiliges Werk "Dance Movements" von 1996 bot allen Solisten und den Gruppen der Holz- und Blechbläser noch einmal Gelegenheit zu glänzen.

Überraschendes Fazit eines bewegten Abends: Zeitgenössische japanische Komponisten im Bereich der Bläsersinfonik arbeiten nahezu mit den gleichen Mitteln wie ihre europäisch/amerikanischen Kollegen - zuzüglich ein paar fernöstlich-exotischer Zutaten.
10.11.2015 · Südwest-Presse; Ulrich Schneider-Allgaier (http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Deutschland-Debuet-mit-dem-SBU-im-Congress-Centrum;art4329,3525130)