Friedensgre aus Fernost

Der japanische Komponist Yasuhide Ito beschert dem Sinfonischen Blasorchester Ulm einen denkwrdigen Konzertabend. Doch auch die Gastgeber geben alles.

Yasuhide Ito erstmals in Europa und das beim Sinfonischen Blasorchester Ulm (SBU) mit Douglas Bostock: Dieses Ereignis wollten sich zahlreiche Freunde der hchstklassigen sinfonischen Blasmusik nicht entgehen lassen. Schon eine Stunde vor Konzertbeginn im CCU waren die Fans versammelt, als Ito und Bostock im freundschaftlichen Zwiegesprch das Konzertprogramm und ihre Ansichten zur aktuellen Blasorchesterszene erluterten. Man erfuhr interessante Details: Allein diese Stunde wre schon einen Besuch wert gewesen.

Aber dann begann erst das Erlebnis: Ito dirigierte das bestens disponierte Orchester eingangs mit seiner sinfonischen Dichtung Go For Broke und gab damit die thematische Linie vor: Mahnungen zum Frieden standen im Fokus. 70 Jahre nach Kriegsende schildert Ito in seinem Werk die zwiespltigen Gefhle der japanisch-stmmigen US-Amerikaner in der Zeit zwischen Pearl Harbor und der Kapitulation nach den Atombombenkatastrophen von Hiroshima und Nagasaki. Dort knpft auch Itos Neukomposition an, die in Ulm zur Urauffhrung kam: That Which He Taught Us greift auf Buddha-Zitate zurck, die zum Frieden mahnen und in dessen Originalsprache Pali zum Vortrag gelangten. Dafr sorgten neben dem Orchester Helen Willis (Sopran) und Kwang-Keun Lee (Bariton), die mit groartigen Stimmen das Friedensgebet zum Ausdruck brachten. Wie bei der Einfhrung betont wurde, handelte es sich nicht um buddhistische, sondern um Weltmusik, deren Thematik sich in vielen Kulturen widerspiegelt. Dank Itos Dirigierkunst sowie des nicht minder faszinierenden Gesanges und eines in allen Registern schlichtweg mustergltig interpretierenden Orchesters erlebte das Publikum so eine Sternstunde der sinfonischen Blasmusik.

Doch diese war damit noch nicht zu Ende: Eine Europa-Premiere von Ito ohne dessen renommiertestes und meist gespieltes Werk ist ja auch unvorstellbar. So erlebte man die sinfonische Dichtung Gloriosa zu ihrem 25-jhrigem Kompositionsjubilum und wer im CCU dabei war, wird sich noch in vielen Jahren mit Freude daran erinnern. Die Synthese zwischen gregorianischer und traditionell-japanischer Musik machte nicht nur bewusst, dass es bei sinfonischer Musik der Spitzenklasse nicht auf deren Herkunft, sondern auf die kompositorische und interpretatorische Kunst ankommt; beide Aspekte erlebte man hier in Vollendung. Ein besonderes Glanzlicht setzte dem Ganzen die japanische Ryuteki-Flte auf, sodass die Jubelstrme im Publikum nur berechtigt waren.

Im zweiten Teil leitete Douglas Bostock sein Orchester, und er hatte drei Werke auflegen lassen, deren Komponisten zu den bedeutendsten ihres Faches zhlen und die den aktuellen Musikstil mageblich prgen: Von Vaclav Nelhybel erklang Symphonic Movement; von Percy A. Grainger das von einer Bachkantate inspirierte Blithe Bells, ein wirklich seltenes Juwel; und zum krnenden Abschluss gab es die Dance Movements von Philip Sparke, die fr die weltberhmte US-Air-Force-Band geschaffen worden waren.

Das SBU wurde auch dieser Herausforderung in hervorragender Weise gerecht. Kokiriko alla Marcia von Yasuhide Ito und Shepherds Hey von Percy A. Grainger, einmal mit Ito am Pult und Bostock im Schlagwerk und dann umgekehrt, setzten einen gelungenen Schlusspunkt unter einen denkwrdigen Konzertabend.
09.11.2015 · Neu-Ulmer Zeitung; Wilhelm Schmid (http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Friedensgruesse-aus-Fernost-id36039642.html)
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