Leidenschaftliche Bekenntnisse

Dass beim Konzert des Sinfonischen Blasorchesters Ulm in der Pauluskirche einige Plätze frei blieben, lag wohl am schönen Frühlingswetter. Schade: Douglas Bostock und seine Musiker begeisterten mit "Passion!".

Die Pauluskirche ist riesengroß und verwöhnt Musiker wie Zuhörer mit einer wunderbaren Akustik und viel Nachhall. Und die können ein Bläserkonzert mit dem Titel "Passion!", mit Orgelparts und einem lupenreinen Sopran zu einer sehr stimmigen, sauber intonierten Vorstellung veredeln.

Dass eingangs in Alfred Reeds "Alleluia!" von der Orgel nichts zu hören war, ließ sich leicht verschmerzen. Das kurze Eröffnungsstück mit Pauken und Trompeten hat Fanfarencharakter und ist ohne ein kräftiges Forte kaum vorstellbar.

Auch Percy Grainger ist Amerikaner, ein komponierender Individualist. Mit "Die Macht Roms und das christliche Herz" greift er ein antikes Thema auf, die Orgel hat einen gewichtigen Part im chromatischen Einstieg. Ausgearbeitete Dynamik und schöne Klangfarben prägen das Stück, veröffentlicht um die Zeit des Kriegsendes 1945.

Der 1958 geborene US-Komponist Frank Ticheli arbeitet mit eindrucksvollen Effekten. "Angels in the Architecture" beginnt und endet mit einem engelsgleichen Sopransolo (Helen Willis) in der Ferne, das sie auf der Empore des Altarraums sang. Das umfangreiche Schlagwerk kann ebenso beeindrucken wie das volle Orgelwerk.

War der erste Teil des Konzertes der englischen Bedeutung von "Passion" (Leidenschaft) gewidmet, wechselten Bostock und die Musiker nach der Pause in dessen christliche Bedeutung: Ferrer Ferrans Leidensgeschichte Jesu, ein 2001 entstandenes 40-minütiges Werk, das sich eng an die Berichte der Evangelien anlehnt. Dem Spanier ist es in den drei Sätzen seiner Sinfonie gelungen, Programmmusik in ein modernes, zeitgenössisches Gewand zu kleiden.

Das honorieren Musiker und Zuhörer gleichermaßen: Melodische Soli und Dissonanzen sind kein Widerspruch, im zweiten Satz ergänzen sich fantasievolle Percussion und Orchester zu einer geordneten Polyphonie, im dritten nahöstliche und harte Tuttiklänge (Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel). 15 Schläge verkünden den Kreuzestod. Überraschend am Ende der Musical-Charakter von Auferstehung und Sendungsbefehl.
21.04.2015 · Südwest Presse; Ulrich Schneider-Allgaier (http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Leidenschaftliche-Bekenntnisse;art4329,3175271)