Im ewigen Kreis des Lebens

Die „Carmina Burana“ begründeten Carl Orffs Weltruhm als Komponist und Musikpädagoge. Weniger bekannt ist, dass es eine autorisierte Fassung für symphonisches Blasorchester gibt, die nun vom Sinfonischen Blasorchester Ulm (SBU) unter Leitung von Douglas Bostock und dem Konzert- und Kinderchor Ulm meisterlich zur Aufführung gebracht wurde.

Das Arrangement bewahrte nicht nur den Geist, das Gefühl und den allgemeingültigen Charakter der originalen Partitur, sondern steigerte diese durch eine farbige Instrumentierung. So machen sich an manchen Stellen Anpassungen bemerkbar, die der Partitur neue Klangbilder entlocken, etwa dort, wo für den Eingangschor „O Fortuna“ Fagott, Bassklarinette und Marimba die reizvolle Rhythmik tragen oder Horn- und Fagottstimmen die Passagen für Streicher mit Akzentuierung übernehmen. Das breite Spektrum des von Orff so geliebten Schlagwerkes vervollständigt diese Version seines Meisterwerks; diese farbenprächtige Fassung ist nicht oft zu hören und krönte das diesjährige Herbstkonzert des SBU.

Mit Maria Rosendorfsky (Sopran), Hans Günther Dotzauer (Tenor) und Kwang Keun Lee (Bariton) hatte man vorzügliche Solisten für die ausdrucksstarken, mit Chor und Orchester eng verwobenen Erzählerstimmen gefunden. Der Konzert- und Kinderchor Ulm (Einstudierung Guido Bauer) bildete die Stimme der „Lieder aus Benediktbeuern“, wie der Titel übersetzt lautet. Orff schrieb das Werk in den Jahren 1935 bis 1936. Die Texte in lateinischer und mittelhochdeutscher Sprache stammen aus einer Sammlung von Lied- und Dramentexten aus dem 11. und 12. Jahrhundert, aus denen Orff 24 Texte vertonte.

Die humorvolle und kurzweilige Abfolge der „Carmina“ beschreibt das ewige Kreisen zwischen Glück und Unglück im Menschenleben. Orchester und Solisten gelang es ganz besonders, die unterschiedlichen Stimmungen zu transportieren; vom verinnerlichten „Olim lacus“ bis zum expressiven „Veni, venias“ gelangen Stimmungsbilder von erstklassiger Güte.

Den ersten Teil des Konzertes bildeten zwei Kompositionen von unterschiedlicher Qualität. Filmmusik-Großmeister John Williams war mit dem fanfarenhaften, routinierten Dreiminüter „Sound the Bells“ vertreten. Ein Stück zum Warmspielen.

Alfred Reeds fünfte Symphonie für Blasorchester „Sakura“ gab dem SBU hingegen alle Gelegenheit, seine Qualitäten als Blasorchester der Höchstklasse vorzustellen. Die Komposition selbst ist ein nicht immer überzeugender Stil-Mix, dessen größte Qualität die Adaption eines japanischen Volkslieds ist. Wem die vom SBU in der Vergangenheit so erstklassig gespielten Partituren japanischer Komponisten noch im Ohr sind, der mag Reeds farbiges Werk als angenehm, aber nicht besonders fordernd empfunden haben.
29.10.2014 · Neu-Ulmer Zeitung; Florian L. Arnold (http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Im-ewigen-Kreis-des-Lebens-id31828182.html)
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