Congress Centrum: Jubel für Geiger Anik Stucki und das Sinfonische Blasorchester

Das Sinfonische Blasorchester Ulm präsentierte im Congress Centrum extravagante Werke und mit Anik Stucki einen Geigensolisten.

Aus der Alpenrepublik kommen Käse, Schokolade, Uhren und Anik Stucki, ein 22-jähriges Ausnahmetalent aus Bern. Auf Einladung von Dirigent Douglas Bostock übernahm der mehrfach preisgekrönte Geiger nach dem fulminanten Auftakt mit Alfred Reeds fröhlicher Overture "The Hounds of Spring" die herausfordernde Solopartie in Stephen Melillos "Konzert für Violine und Blasorchester".

Diese ungewöhnliche Klangkombination mit der punktgenau korrespondierenden bombastischen SBU-Besetzung stand im umjubelten Mittelpunkt des Interesses. Und präzise wie ein Uhrwerk spielte Stucki - ganz im Dienst des 25-minütigen Dreisätzers, ohne Starposen, aber auch ein wenig unpersönlich. Mit technischer Souveränität, virtuoser Bravour bis in höchste Pianissimo-Sphären entfaltete er mit dem Tutti ein farbenreiches Klangpanorama zwischen ratternd treibenden Maschinenrhythmen, mystischen Röhrenglocken und Harfenzauber bis zum finalen Rausch. Nach Beifallstürmen verabschiedete Geiger mit Ausschnitt aus Bachs h-Moll-Solopartita.

Nach der Pause glänzten die Musiker des SBU mit etlichen Kurz-Soli. In Kiyishige Koyamas "Kobiki-Uta" entführten vier tonmalerische Attacca-Sätze mit dem Klasse-Solo des erst 17-jährigen Tenorsaxophonisten Daniel Lobenhofer in die Bergwelt der Holzfäller nach Japan. Zwischen Volksmelodien, Holzsägen, Glocken und Gong ließen die acht Schlagwerker die traditionellen Trommeln gewaltig sprechen.

Nach Percy Graingers kecken und melodiesüffigen "Childrens March" bot Philip Sparkes moderne, teils kühn-avantgardistische Tonsprache in "Music of the Spheres" den etwa 500 Zuhörern episch angelegtes Breitwandkino für die Ohren. Deren Schauplatz war das Universum, die Welt der Sterne und Planeten. Wie ein Feldherr leitete Bostock die hochspannende Eroberung der kontrastreichen Komposition aus Sphärenklängen, beseeltem Schmelz, kolossalen Wahnsinnsaufschwüngen und martialischen Fast-Kollisionen. Einfach grandios! Für den lautstarken Beifall bedankte sich das Orchester mit zwei Zugaben.
29.04.2014 · Südwestpresse; Christa Kanand (http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Congress-Centrum-Jubel-fuer-Geiger-Anik-Stucki-und-das-Sinfonische-Blasorchester;art4329,2576205)