Harmonien aus anderen Sphären

Das Sinfonische Blasorchester Ulm bietet im CCU ein geradezu überirdisches Musikerlebnis

So schnell, wie derzeit in der Natur alles ergrünt, nahm Dirigent Douglas Bostock das Tempo zur Einleitung des Konzerts mit dem Sinfonischen Blasorchester Ulm (SBU): Die legendären „Hounds of Spring“ von Alfred Reed, dem amerikanischen Altmeister der sinfonischen Blasmusik, jagten durch den Einsteinsaal des Congress-Centrums, der leider nur etwa zur Hälfte besetzt war. Wer angesichts der aktuellen Konzertfülle auf den Besuch beim SBU verzichtet hatte, dem entging allerdings nicht nur eine faszinierende Interpretation der bekannten Reed-Frühlingsstimmung, sondern vor allem auch ein Erlebnis, das es so schnell nicht wieder geben wird.

Der Philosoph Pythagoras stand Pate

Die beiden Hauptwerke des Abends waren der pythagoreischen Lehre von der Sphärenharmonie gewidmet, der zufolge durch die Bewegung der Planeten ein kosmisches, für den Menschen nicht hörbares, harmonisches Tönen entsteht. Die erste Komposition hierzu stammt von Stephen Melillo, der die Aufgabe des Künstlers darin sieht, das Gute und Schöne in die Welt zu bringen. Ein gehöriges Stück davon schaffte der junge Schweizer Geiger Anik Stucki mit Melillos „Konzert für Violine und Blasorchester“. Die Programmvorgabe, dass der Solist als „heldenhafter Protagonist“ auftreten solle, bewältigte der 23-Jährige ebenso mit Bravour wie sämtliche technischen und interpretatorischen Höchstleistungen, die das Konzert dem Solisten abverlangt. Unter Douglas Bostocks souveräner wie mitreißender Leitung stand das Orchester diesem Anspruch in nichts nach und zeigte sich wieder einmal als Klangkörper der Spitzenklasse. Für das grandiose Erlebnis dankte das Publikum mit anhaltender Begeisterung, wofür sich Anik Stucki mit einem phänomenalen Solo revanchierte.

Nach der Pause gab es mit „Kobiki-Uta“ Variationen über ein japanisches Holzfällerlied, das Bostock schon vor vier Jahren an gleicher Stelle mit dem weltberühmten „Tokyo Kosei Wind Orchestra“ aufgeführt hatte. Hier beeindruckten nicht nur die originellen Percussion-Effekte, sondern auch die Themenpräsentation durch ein wunderschönes Tenorsaxofon und dessen Verarbeitung in vier Sätzen. Der „Children’s March“ von Percy A. Grainger erinnerte zwar verblüffend an „Alle meine Entchen“; was aber daraus wurde, war eine fulminante Demonstration der reichen Klangmöglichkeiten eines zeitgenössischen Blasorchesters.

Diese fanden dann im Schluss- und Hauptwerk des Programms ihre Vollendung: Philip Sparke fasst in seiner „Music of the Spheres“ die erwähnte Lehre des Pythagoras in vier Sätze, in denen ausgehend vom „Big Bang“, dem Urknall der Entstehung des Universums, über die Beschreibung der Erde als Planet, auf dem Leben möglich ist und von dem aus weitere Zivilisationen gesucht werden, das gesamte Orchester vollauf gefordert ist. Auch diesen Ansprüchen sowie denen des dritten und vierten Satzes in Sparkes „Sphärenmusik“ zeigten sich die 65 Damen und Herren bestens gewachsen. Dies galt weiterhin für die Schilderung der Gefahren durch „Asteroids and Shooting Stars“ und die am Schluss offen bleibende Frage, wohin die Reise des Universums schließlich führen wird.

Das alles in sinfonische Blasmusik umgesetzt, mündete in blanke Begeisterung des Publikums, wofür sich Douglas Bostock und sein Orchester in Form von einer japanischen Huldigung an die Heimat und Percy A. Graingers musikalischem Spaß „Gumsucker’s March“ bedankten, womit ein Abend der Extraklasse zu Ende ging.
29.04.2014 · Augsburger Allgemeine / Neu-Ulmer Zeitung; Wilhelm Schmid (http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Harmonien-aus-anderen-Sphaeren-id29658471.html)
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